Die Nutzung der Erdwärme in Bayern - Von Thomas Popp, Vorstand Marketing, Erdwärme Gemeinschaft Bayern e.V.

veröffentlicht am: 14.09.2017

Seit mehr als 40 Jahren nutzen die unterschiedlichsten Anwender die Energie, die unter unseren Füßen schlummert, um Gebäude zu beheizen. Im Laufe der Zeit hat sich die Anwendung in vielen Bereichen erweitert. Zum Beispiel kann man neben der Wärme- und Brauchwassererzeugung ein Gebäude auch zu sehr günstigen Konditionen klimatisieren, was in Anbetracht von immer wärmer werdenden Sommern ein enormer Zugewinn ist. Im nachfolgenden Beitrag wollen wir Ihnen einige Beispiele, aber auch die unterschiedlichen Systeme vorstellen.

Bayern bietet aus geologischer Sicht die besten Voraussetzungen für Erdwärmeanlagen. Im bayerischen Wald haben wir unter anderem Granit, in Franken haben wir Sandsteine, die auch noch zum Teil wassergesättigt sind und für die Nutzung von Erdwärmesonden perfekt sind. In Oberbayern beispielsweise, gute Grundwasservorkommen, die sich sehr gut für Grundwasseranlagen eignen. Und wenn der Untergrund einmal nicht mitspielt, aber der Platz für eine Flächennutzung in Frage kommt, bietet der Erdwärmekollektor eine gute Alternative.


Der grüne Fußabdruck

In den siebziger Jahren waren es findige Tüftler, die die ersten Wärmepumpen gebaut und eingesetzt haben, mittlerweile gehört dieses Thema zum Standardprogramm jedes Heizungsbauers. Und so haben sich auch die Nutzungsverhalten entwickelt. Auslöser waren oftmals Krisen oder Preisentwicklungen, mittlerweile wertet man sein Gebäude mit einer solchen Technik, sowohl im Neubau als auch im Bestand auf.

Natürlich spielt aber auch die Funktionalität eine Rolle. Im Gewerbe gewinnt das Thema Klimatisieren immer mehr an Bedeutung. Hier ist die Kombination, Heizen/Klimatisieren, eine Paradedisziplin der Wärmepumpe. Namhafte Unternehmen der Region oder Firmen mit Standorten in Bayern gehen hier mit gutem Beispiel voran und hinterlassen ihren grünen Fußabdruck. Zu nennen wären beispielsweise u.a. adidas, DATEV, Thomann, Brose oder Logistiker wie Schenker, Emons, Panalpina und DPD. Das wohl prominenteste Beispiel ist in Oberbayern zu Hause, Schloss Herrenchiemsee.

Hier wurde vor einigen Jahren der Nordflügel umgebaut und m einer Erdwärmeanlage zum Temperieren des Veranstaltungskomplexes versehen. Aber auch Banken, Schulen, Landratsämter, Feuerwehrhäuser, Kirchen und Rathäuser können und werden genutzt.

Unter dem Motto „kein Heizöl, kein Erdgas, keine Abhängigkeit“ zieht die Unterfränkische Überlandzentrale eG aus Lülsfeld ins Rennen. Mit drei bereits mit Erdwärme erschlossenen Neubaugebieten (Schwebheim, Wiesentheid, Gerolzhofen) und einigen einzelnen Bauherren, wurden bereits 80 Nutzer ausgestattet. Aber es bestehen weitere Anfragen, diese erneuerbare Energie, die unter unseren Füßen schlummert, bei künftigen Erschließungen zu nutzen. Besonders erwähnenswert ist, dass die ÜZ bereits ca. 80% ihres Stromes aus Sonne, Wind und Wasser, also CO2-frei gewinnt. Am Beispiel der Josef Rädlinger Bauunternehmung GmbH wollen wir die Motivation eines Nutzers und den Projektablauf etwas näher betrachten.

Nachhaltigkeit und Unternehmerwille

Mit 1700 Mitarbeitern zählt das oberpfälzer Unternehmen zu den bekannten Protagonisten der bayerischen auszene. Mit Erdwärme kam die Chamer Firmengruppe zum ersten Mal 2013 in Kontakt. Zu diesem Zeitpunkt baute Rädlinger eine neue Niederlassung in Selbitz. Im niederbayerischen Windorf folgte ein Doppelschlag. Sowohl die Niederlassung (2015) als auch das Werkstattgebäude (2017) erhalten eine erdgekoppelte Wärmepumpenanlage. Neben der wirtschaftlichen Betrachtung stand und steht bei allen Neubauten der Komfort (Heizen/Klimatisieren) und das Wohlbefinden der Mitarbeiter im Focus. Ferner Funktionalität und die Nachhaltigkeit aber auch Unternehmenswille.

Dieser zeigt sich beim aktuellen Projekt in Windischbergerdorf (Cham). Hier entsteht (Fertigstellung 2018) die neue Hauptverwaltung. Ein Zusammenspiel aus unterschiedlichen Gebäudestielen, lassen den Sinn für schützenswerten Bestand und Neubau erkennen. Hier kombinieren die Planer ein bestehendes, leerstehendes, seit Jahren im Familienbesitz befindliches Kloster (wird dann als Veranstaltungs- und Schulungsort sowie als Betriebsrestaurant genutzt) mit dem modernen Neubau, in dem die Hauptverwaltung der Unternehmensgruppe und das Bauunternehmen einziehen werden.

Zum planerischen Vorgehen: Am Anfang steht die Ermittlung des Gebäudebedarfes. Hier ist es je nach Größe sinnvoll, entweder einen technischen Gebäudeausrüster (TGA) oder den Heizungsbauer mit ins Boot zu nehmen. Der Erdwärmefachplaner ermittelt die Größe der Wärmequelle und legt Anzahl und Tiefe der Erdwärmesonden fest. Eine seriöse Planung ist das Fundament jeder gut funktionierenden Anlage! Es folgt ein Genehmigungsverfahren. Je nachdem, wie groß die Anlage ist, macht es Sinn den tatsächlichen Entzug über einen Test (TRT) abzusichern. Ist dieser Prozess vollzogen, beginnen die Bohrarbeiten. Anschließend werden die Sonden miteinander verbunden und an das Gebäude angebunden. Danach folgt die Verbindung zwischen Quelle und Wärmepumpenanlage. Der zeitliche Ablauf ist mit ca. 8 Wochen für das Genehmigungsverfahren und je nach Größe des Sondenfeldes mit weiteren 3 Wochen (im Schnitt wird 1 Sonde am Tag fertiggestellt) kizzieren.

Etwas schneller geht es beim lediglich anzeigepflichtigen Flächenkollektor. Die Oberfläche wird durch eine Baumaschine abgetragen. Anschließend legt der Bauherr oder der Heizungsbauer den Kollektor aus, schweißt die Endstücke an eine Verteilerbox und dann erfolgt der Anschluss an die Wärmepumpe. Beim Kollektor ist lediglich zu beachten, dass die Fläche später nicht überbaut werden darf. Sollte die Wasserqualität sehr gut sein und auch ergiebig, dann kann man auch über die Nutzung des Grundwassers (Beispielbild Gymnasium Buchlohe) für die Wärmepumpe nachdenken. Nach Planung und Genehmigung wird zunächst ein Förderbrunnen gebohrt. Danach erfolgt ein Pumpversuch, um zu testen, ob die Menge für den Betrieb ausreicht. Das abgekühlte Wasser wird dann in einen Schluckbrunnen eingeleitet. Die Erdwärme Gemeinschaft Bayern e.V. mit ihrem Netzwerk unterstützt Sie gerne bei der Umsetzung Ihres geplanten Vorhabens.

Bild: Rädlinger Niederlassung in Windischbergerdorf; Quelle: Berschneider+Berschneider www.erdwaermegemeinschaft.de